DSC07488Bevor ihr fragt, nein, ich kenne keine Rosamunde Pilcher Filme. Ich hatte auch nicht wirklich große Erwartungen bevor ich hierher gekommen bin, für mich stand, als ich mich für den Austausch angemeldet habe, vor allem im Vordergrund, mein Englisch zu verbessern, und nebenbei etwas Neues zu entdecken. Der Austausch findet zwischen dem Luisengymnasium München und Truro School statt, und ermöglicht uns, jetzt schon ein einwöchiges Praktikum im Ausland zu machen. Ich hatte ziemliches Glück, da ich für die Woche bei „Cornwall Today“, einem großen Monatsmagazin aufgenommen wurde, das seinen Sitz auch noch mitten in Truro, Cornwalls einziger Stadt hat.

 

Um ehrlich zu sein hatte ich nicht einen einzigen Gedanken darüber verschwendet, wie Cornwall selbst sein würde, trotzdem war ich beeindruckt, als der Zug über Cornwalls einziger Stadt langsamer wurde. Die kleinen Häuser und die Kathedrale bildeten zusammen mit den Seemöwen, die über der Stadt kreisten, ein unglaublich romantisches Bild und die Stadt strahlte eine extrem friedliche Atmosphäre aus. Hier würde ich also die nächste Woche mein Praktikum machen.

 

Unser Austauschpartner Lee holte meine Mitschülerin Lea und mich vom Bahnhof ab und brachte uns zu seinem Haus in Falmouth, einem netten kleinen Ort an der Südküste Cornwalls, der für seinen Hafen und seine Strände bekannt ist. Wir kamen im März hierher, so dass das Wetter eher windig und kalt war, aber ich kann mir vorstellen, dass man im hier Sommer eine tolle Zeit auf grünen Hügeln und an sonnigen Stränden genießen kann.

 

Wir sind erst seit ein paar Tagen hier, aber schon jetzt gibt es einiges, was mir an Cornwall wirklich gut gefällt. Am meisten mag ich wohl die Dinge, die ich vom Großstadtleben nicht gewohnt bin. Seit meinem ersten Tag hier in Cornwall bin ich so entspannt  wie schon lange nicht mehr. Hier scheint alles so ruhig und gelassen, dass jeder Stress von einem abfällt, wenn man hier zu Besuch ist.

 

Außerdem ist die Szenerie umwerfend. Wahrscheinlich ist niemand überrascht, wenn ich von den altmodischen Gebäuden, den kleinen Geschäften oder den Teehäusern erzähle. Aber wer würde in einer Europäischen Stadt so viele verschiedene tropenartige Pflanzen erwarten? In manchen Straßen am Rand von Truro hat man kurz das Gefühl, durch einen Regenwald zu laufen.

 

Okay, wenn ich noch einmal darüber nachdenke, was ich über England wusste, bevor ich hierher kam, fällt mir doch eine Sache ein, die mich skeptisch gemacht hat. Immer, wenn einem in Deutschland von England erzählt wird, hört man die Horrorgeschichten über das englische Essen, besonders das English Breakfast. Und es stimmt, natürlich werden einem hier anständige Vollkornsemmeln fehlen, wenn man deutsches Frühstück gewohnt ist,  aber mal ehrlich: es gibt Würstchen, Bohnen, Pilze, Ei und Bacon zum Toast; wie kann man das nicht lieben?

 

Wenn es gerade schon um Essen geht, sollte ich wahrscheinlich auch die Cornish Pasty erwähnen. Das sind Teigtaschen gefüllt mit Fleisch, Kartoffeln und Zwiebeln. Was sich ungewöhnlich anhört, schmeckt auch zunächst einmal ungewöhnlich, aber man lernt schnell sie zu lieben, vor allem wenn man an einem kalten, bewölkten Tag mit einer ofenwarmen Pasty am Hafen sitzt.

 

Ich habe auch gelernt, das raue Wetter zu schätzen, letztendlich macht es Cornwalls Charakter aus. Wir hatten das Glück für einen Tag nach St. Ives zu fahren. Das Wetter war schrecklich, aber genau das war es, was den Ausflug zu mehr machte als nur einen schönen Tag in der Küstenstadt. Der Wind, der uns ins Gesicht schlug, als wir von einem Hügel auf das aufgewühlte Meer schauten, machte das Ganze zu einem wirklich besonderen, beeindruckenden Erlebnis. Und nichts ist vergleichbar mit dem Gefühl, wenn man nach einem Tag an der Küste aus der Kälte von Cornwalls Straßen zurück ins Warme kommt.

 

Ich reise leider nach sieben Tagen schon wieder ab, aber ich werde meinen Aufenthalt hier in Erinnerung behalten als eine tolle Woche in einem umwerfenden Land, das weit mehr zu bieten hat, als ich mir je hätte erträumen können.